DDR-Witze und die Wahrheiten der Vergangenheit: Spannende Lesung mit Paula Fürstenberg in Gera

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Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser freut sich über eine gelungene Fortsetzung ihrer Lese- und Gesprächsreihe “30 Jahre Wiedervereinigung – und jetzt?”. Am Donnerstag hatte sie die Autorin Paula Fürstenberg für eine Lesung aus deren Buch “Die Familie der geflügelten Tiger” nach Gera eingeladen.
“Dieses Mal wollten wir in den Mittelpunkt rücken, wie unterschiedlich die Ereignisse vor und nach der Wende selbst innerhalb einer Familie erlebt wurden. Paula Fürstenberg macht uns darauf aufmerksam, dass gerade ostdeutsche Familiengeschichte oftmals politisch ist und keine ,Wahrheit’ kennt. Mit diesen Gedanken, aber auch mit trockenem DDR-Humor hat sie direkt den Nerv unseres Publikums getroffen”, freut sich Kaiser, die wie die Autorin im Jahr 1987 geboren ist.

In ihrem Debütroman “Familie der geflügelten Tiger” erzählt die gebürtige Potsdamerin Paula Fürstenberg von der jungen Frau Johanna, die aus der Brandenburger Provinz nach Berlin gezogen ist. Ihr scheinbar geordnetes Leben als Straßenbahnfahrerin und Kartenliebhaberin gerät ins Wanken, als erstmals seit 1989 ihr verschwundener Vater wieder in ihr Leben tritt. Plötzlich steht infrage, ob die Stasi tatsächlich am Verschwinden beteiligt war – oder ob es andere Gründe gab. In den Ausschnitten, die Fürstenberg am Donnerstag im Comma las, arbeitete sie heraus, wie sehr die überraschende Begegnung Johannas mit ihrem Vater die Gewissheiten über das eigene Leben und die Familiengeschichte in Frage stellt.
In ihrem Buch zitiert Fürstenberg auch den klassischen DDR-Scherz, wonach Honecker die Witze sammelt, die man sich über ihn erzählt – während Mielke genau die Menschen sammelt, die diese Witze erzählen. Passenderweise recherchierte die heute in Berlin lebende Autorin beim Schreiben auch zum Thema Stasi-Akten. Dabei habe sie eine differenziertere Sicht auf die Qualität und Zuverlässigkeit der dort abgelegten Berichte entwickelt.
Wichtig sei, zu verstehen, dass es eben nicht die eine Wahrheit über die Vergangenheit gebe und der Blick darauf immer auch von der jeweiligen individuellen Betrachtungsweise und Erfahrungen geprägt ist, so Kaiser.
“Auch in der Diskussion mit unserem Publikum haben wir einige kontroverse Fragen aufgegriffen. Paula Fürstenberg stellt z.B. die Frage, ob es – abgesehen von der weiter nötigen wirtschaftlichen Angleichung – wirklich eine ,innere Einheit’ braucht, oder worin die denn eigentlich bestehen solle. Denn je präziser wir eine Art gesamtdeutsche Leitkultur definieren, desto stärker riskieren wir, die große Vielfalt ganz unterschiedlicher Erfahrungen und Interessen in unserem Land auszublenden”, freut sich Kaiser über spannende Gedanken im Anschluss an die Lesung.
Zum Abschluss ihrer Lese- und Gesprächsreihe wird die SPD-Politikerin am geschichtsträchtigen 9. November gleich zwei Autoren in Gera empfangen. Freya Klier und Lothar Tautz werden aus dem neuen Sammelband “Wir sind ein Volk! Oder?” lesen. Die Details zu dieser Veranstaltung folgen in Kürze.

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